Steuerheld werden - ETL Azubi Blog


#1 Auch Helden*innen beginnen mit kleinen Erfolgen: Azubi-Erfahrungen eines Kanzleileiters

#1 Auch Helden*innen beginnen mit kleinen Erfolgen: Azubi-Erfahrungen eines Kanzleileiters

Nach vielen Jahren in der Steuerberatung und mit all den Erfahrungen, die ich auf meinem Weg vom Azubi bis hin zum Steuerberater gemacht habe, möchte ich in diesem Rahmen gern die ein oder andere Geschichte aus meinem Leben erzählen. Denn der Weg fängt immer an einem Startpunkt an und dieser war bei mir die Ausbildung zum Steuerfachangestellten.

Beginnen wir von vorn. Steuerheld? Was ist das eigentlich? Zu meiner Zeit als Lehrling verband ich mit dem Berufsfeld noch nicht so etwas wie „Heldentum“, sondern hörte eher skeptische Aussagen wie „Aha, ist das nicht voll langweilig und so?“ Aber im Laufe der Zeit konnte ich feststellen, dass man als Steuerberater tatsächlich viel Gutes für seine Mitmenschen tun kann. Schließlich vertrauen Mandanten auf unseren fachlichen Rat für die Entwicklung ihres Lebenswerkes.

Als ich nach dem Abi nicht weiterwusste und mich fragte, was ich denn nun eigentlich aus meinem Leben machen könne, war eine berufliche Zukunft mit Steuern definitiv nicht die erste Wahl. Ich habe dennoch entschieden, mich für die Ausbildung zum Steuerfachangestellten zu bewerben, weil mich Perspektiven wie Sicherheit, Vielfalt, gutes Gehalt und Aufstiegschancen neugierig machten. Und tatsächlich wurde ich zum Bewerbungsgespräch in der örtlichen Kanzlei eingeladen. Dort saß mir ein „älterer Mann“ gegenüber. Wenn ich mich recht erinnere war er so alt wie ich es jetzt bin – so ändern sich die Zeiten. Er erzählte mir, was mich in dem Beruf erwarte und welche Möglichkeiten der Weiterentwicklung es gebe. Und er war ehrlich zu mir und fügte hinzu, dass die Ausbildung eine der schwersten in Deutschland sei. Na toll, dachte ich, hatte ich doch gehofft, nach der Schule würde das Leben einfacher werden. Aber ich schätzte seine Offenheit und Freundlichkeit, so dass ich mich entschied, die Herausforderung anzunehmen und die Ausbildung anzufangen.

Dann ging es los. Es war eine kleine Kanzlei mit wenigen, aber sehr netten Mitarbeitern. Während mir in der Berufsschule die theoretischen Grundlagen beigebracht wurden, konnte ich in der Kanzlei Schritt für Schritt den Arbeitsalltag einer Steuerberatung kennenlernen – Wie ist das mit Posteingängen? Was sind Fristen? Erste kleine Buchhaltungen. Aber nach Heldentaten fühlte sich das alles noch nicht an. Mit der Zeit gewöhnte ich mich auch an das theorielastige Lernen in der Schule. Aber hat das mit den ganzen Gesetzen irgendetwas mit dem echten Leben zu tun, fragte ich mich?

Eines Tages kam mein Chef aufgeregt in die Kanzlei gestürmt. Zu dem Zeitpunkt war ich wieder einmal dabei eine Buchhaltung zu bearbeiten, danach jeden Beleg abzustempeln und abschließend Zahlen darauf schreiben – ein Vorgang, der Kontieren heißt und dessen Bedeutsamkeit mir heute natürlich bekannt ist ;). Er sagte, er habe eine Frist vergessen. Ein Einspruch müsse dringend noch heute zum Finanzamt. Zwar hatte ich keine Ahnung was er meinte, spürte aber, dass es wichtig sein musste. Er sagte mir, ich solle den Brief noch heute zum Finanzamt in den Nachbarort bringen und in den Briefkasten werfen.

Ich nahm also den Brief, ging zum Auto und fuhr los. Ich hatte keine Ahnung wo das Finanzamt war, kannte nur die Anschrift des Briefes. Aber was getan werden musste, musste getan werden. Und da der Chef so eine Dringlichkeit in der Sache versprühte, fuhr ich so schnell ich konnte in den Nachbarort zum Finanzamt. Zum Glück war es irgendwann ausgeschildert, denn ein Navigationsgerät hatte mein kleiner Corsa nicht.  Als ich auf dem Parkplatz ankam und den Brief dann in den Briefkasten warf, fühlte sich das gut an. So richtig konnte ich mir selbst nicht erklären warum, denn was ein Einspruch war hatten wir noch nicht in der Ausbildung gelernt. Es schien aber wichtig zu sein.

Einige Wochen später rief der Chef mich überraschend zu einem Termin mit einem Mandanten. Er stellte mich vor und sagte zu seinem Gegenüber: „Dank diesem jungen Mann haben wir Ihren Einspruch rechtzeitig eingereicht und Ihnen viel Geld gespart.“ Der Mandant bedankte sich freundlich bei mir. An diesem Tag ging ich zum ersten (und natürlich nicht zum letzten) Mal mit stolzgeschwellter Brust nach Hause. Rückblickend war das wohl eine erste kleine gefühlte „Heldentat“.  Später erfuhr ich zwar von meinem Chef mit einem Augenzwinkern, dass er den Einspruch an jenem Tag auch per Fax an das Finanzamt geschickt hatte, also zu keiner Zeit ernsthafte Gefahr für den Mandanten bestand, dennoch ist es eine schöne Erinnerung. So klein die Bedeutung meiner „Heldentat“ auch für den Mandanten war, so wichtig war sie für meine persönliche Entwicklung. Ich fing an zu begreifen, dass wir Steuerberater Briefe versenden, Fristen beachten und Buchhaltung erlernen, um Menschen, die ihrer beruflichen Leidenschaft nachgehen, tatkräftig und kompetent zur Seite zu stehen. An diesem Tag lernte ich, dass das Gefühl, durch meine Arbeit als Steuerberater anderen Menschen zu helfen, so manch trockene Theoriestunde in der Ausbildung kompensiert.

Mal sehen, welche Anekdoten aus meiner Ausbildung und den ersten Berufsjahren mir bis zum nächsten Beitrag einfallen.

Marko Fischer
Steuerberater

(Stand: 18.05.2021)


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