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7 Dinge, die ich gern vor der Ausbildung zum Steuerfachangestellten gewusst hätte

7 Dinge, die ich gern vor der Ausbildung zum Steuerfachangestellten gewusst hätte

Ich bin schon seit einigen Jahren ausgebildeter Steuerfachangestellter und ganz in dem Beruf angekommen. Aber jedes Jahr im Sommer, wenn ich die vielen neuen Steuerazubis sehe, erinnere ich mich an meine ersten Tage in der Steuerberatung zurück und muss gelegentlich schmunzeln.

Jung und unbedarft saß ich das erste Mal hinter meinem Schreibtisch und es gab doch einige falsche Erwartungen und Annahmen, die ich in Bezug auf meine Ausbildung und den gewählten Beruf des Steuerfachangestellten hatte.

In den letzten Wochen habe ich mich mit vielen Kollegen unterhalten und eine Liste mit Dingen erstellt, die ich gern vor meiner Ausbildung zum Steuerfachangestellten gewusst hätte. Wenn ich meinem jüngeren Ich also 9 Tipps mit auf den Weg geben könnte, wären es diese.

Informiere dich mehr über den Berufsalltag

Natürlich hatte ich eine ungefähre Vorstellung davon, was ein Steuerfachangestellter macht. Im Detail wusste ich es aber nicht so genau. So wie mir geht es vielen jungen Auszubildenden.

Das liegt vor allem daran, dass die meisten Schüler in der Schule nichts mit Gesetzen, erst recht nicht mit Steuergesetzen, und Buchhaltung zu tun haben. Auch Betriebswirtschaftslehre wurde in meiner Schule nur am Rande gestreift. Da ich keine Unternehmer oder Selbständigen in meinem näheren Umfeld hatte, wusste ich gar nicht so genau, was man in der Steuerberatung eigentlich macht.

Würde ich jetzt noch mal ganz am Anfang stehen, würde ich mich auf jeden Fall vor der Ausbildung mit Auszubildenden oder “fertigen” Steuerfachangestellten unterhalten und idealerweise vor der Ausbildung einen Probetag arbeiten oder besser sogar ein ganzes Praktikum machen.

Ich habe zum Glück relativ schnell ein Interesse am Thema entwickelt, viele andere Auszubildende werden in den ersten Wochen aber vom Berufsalltag überrascht.

Halte durch! Das Steuerrecht ist ein lebenslanger Lernprozess

In vielen Ausbildungsberufen lernt man in 2-3 Jahren das Berufshandwerk und danach geht es nur noch darum, das gelernte Wissen anzuwenden. Nicht so in der Steuerberatung!

Das Steuerrecht ist ständig im Wandel und jedes Jahr gibt es neue Regelungen und Gesetze. In der Steuerberatung gehört das lebenslange Lernen zur absoluten Grundvoraussetzung.

Das mag für die einen ein aufregender Prozess sein, ist für andere aber eher belastend. Wenn du dich ein Leben lang weiterentwickeln möchtest und neue Herausforderungen suchst, bist du in der Steuerberatung also genau richtig.

Bleibe neugierig! Es ist vollkommen in Ordnung, etwas nicht zu wissen

Das lebenslange Lernen hat auch eine weitere Konsequenz: Es ist nahezu unmöglich, alles immer zu 100 % korrekt zu wissen. Ich habe mir zu Beginn meiner Ausbildung sehr viel Druck gemacht, weil ich mir immer alle Zahlen, Paragraphen und Buchungskonten merken wollte.

Erst später habe ich gemerkt, dass man in der Steuerberatung gar nicht alles wissen muss. Es ist viel wichtiger, dass man die grundlegenden Mechanismen versteht, weiß, wo man nachlesen kann, und immer neugierig bleibt. Hätte ich das zu Beginn gewusst, hätte ich im ersten Lehrjahr die eine oder andere schlaflose Nacht weniger gehabt.

Es geht nicht nur um die Theorie, nur angewendetes Wissen hilft dir

So wirklich habe ich diesen Punkt erst nach der Ausbildung verstanden. Es gibt so viele Paragraphen, Durchführungsverordnungen, Richtlinien und so weiter. Für mich war es aber lange Zeit schwierig, das theoretische Wissen aus der Berufsschule mit den praktischen Arbeitsabläufen in der Kanzlei in Verbindung zu bringen.

Erst im letzten Ausbildungsjahr und nach der Ausbildung habe ich mehr und mehr verstanden, dass die Theorie zwar wichtig ist, aber nur das angewendete Wissen mir im Alltag weiterhilft. In der Praxis unterscheiden sich die Situationen der Mandanten häufig von den sehr theoretischen Übungsfällen in der Berufsschule oder den Klausuren.

Aber auch hier gilt: Bleibe neugierig! Ich habe mich immer sehr gefreut, wenn ich theoretische Modelle und Strukturen im Kanzleialltag entdeckt habe und anwenden konnte. Halte dich für diesen Wissenstransfer unbedingt an die erfahrenen Kollegen in deiner Ausbildungskanzlei.

Achte auf das richtige Arbeitsumfeld

Diesen Tipp habe ich erst nach der Ausbildung so wirklich zu schätzen gelernt. Das richtige Arbeitsumfeld ist unheimlich wichtig. Du verbringst viel Lebenszeit mit deinen Kollegen und Vorgesetzten. Auch deine berufliche Weiterentwicklung wird maßgeblich von deinem Arbeitsumfeld beeinflusst.

Überlege dir also möglichst früh, was dir persönlich wichtig ist, wie deine Karriere verlaufen soll, und suche dir die dazu passende Kanzlei. Der richtige Arbeitgeber und die passenden Kollegen und Tätigkeitsschwerpunkte sind eine sehr persönliche und individuelle Entscheidung. Und alles beginnt damit, dass du dir Gedanken darüber machst, wie du es gerne haben willst und was dir wichtig ist.

Ab jetzt liegt dein Leben in deiner Hand

Das klingt ein wenig dramatischer, als es gemeint ist. Aber wenn du direkt von der Schule kommst und die Ausbildung zur/zum Steuerfachangestellten der erste Schritt ins Berufsleben ist, dann ändern sich ein paar Dinge für dich.

Bisher war dein Leben einigermaßen vorgezeichnet. Nach der 1. Klasse kam die 2. dann die 3. und so weiter. Im Berufsleben hast du viel mehr Freiheit, wie du dich weiterentwickeln kannst. Diese Freiheit bedeutet aber auch, dass du nun mehr Verantwortung für dein Leben übernehmen solltest. Es gibt keine 2. Klasse mehr, die automatisch nach der 1. und vor der 3. kommt.

Die Welt steht dir beruflich offen, als Steuerfachangestellte(r) sowieso. Du hast so viele Weiterentwicklungsmöglichkeiten, wie zum Beispiel Fortbildungen zur Steuerfachwirtin/ zum Steuerfachwirten, zur Bilanzbuchhalterin/ zum Bilanzbuchhalter oder sogar zur Steuerberaterin/ zum Steuerberater. Was davon möglich ist, liegt in deiner Hand und ist abhängig von deiner Leistung in der Ausbildung in der Berufsschule und natürlich auch in der Ausbildungskanzlei.

Es ist okay, wenn du nicht ab dem ersten Tag viel Verantwortung trägst

Dieses Wissen hat mich am Anfang meiner Ausbildung unheimlich unter Druck gesetzt. Ich hatte für mich persönlich einen genauen Zeitplan, bis wann ich was lernen wollte und welche Weiterqualifizierungen ich wann nach der Ausbildung absolviert haben wollte.

Leider habe ich mir mit diesem Druck das Leben selbst schwer gemacht. Gerade zu Beginn der Ausbildung wollte ich unbedingt alle Tätigkeiten möglichst schnell kennen lernen und so viel Verantwortung wie möglich übernehmen. Ich war sehr schnell frustriert, als es nicht so schnell voran ging, wie ich es mir vorgestellt habe.

Erst später habe ich verstanden, warum ich nicht innerhalb der ersten Wochen volle Mandatsverantwortungen bekommen habe. Mit der Verantwortung kommt nämlich auch der Druck, alle anstehenden Tätigkeiten fristgerecht zu erledigen und sich darum zu kümmern, dass alle Unterlagen und Informationen rechtzeitig vorhanden sind.

Genieße die ersten Wochen und Monate, in denen du noch recht unbeschwert in deiner Kanzlei arbeiten kannst.

(Stand: 07.04.2021)


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