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Berufsbild: Bachelor Professional in Bilanzbuchhaltung

Berufsbild: Bachelor Professional in Bilanzbuchhaltung

Seit Dezember 2020 können IHK geprüfte Bilanzbuchhalter*innen entscheiden, welchen Titel sie führen möchten. Mit der neuen Bezeichnung “Bachelor Professional in Bilanzbuchhaltung” wird verdeutlicht, dass hier die berufliche und akademische Bildung gleichwertig ist. Zugleich wird dadurch die Praxisnähe des Berufs betont und die Mobilität von deutschen Fachkräften gefördert.

Geprüfte Bilanzbuchhalter*innen zählen zu den gefragtesten Fachkräften im Finanz- und Rechnungswesen, so natürlich auch in der Steuerberatung. Das gilt im nationalen wie internationalen Bereich. Mit der Aufstiegsfortbildung verbesserst du deine Qualifikationen und wirst zum Spezialisten für die betriebliche Finanzbuchhaltung, der Kosten- und Leistungsrechnung und in der Betreuung von Mandanten. Viele entscheiden sich ebenfalls dazu die Prüfung zum Bilanzbuchhalter abzulegen, um bessere Chancen auf Führungspositionen zu haben.

Des Weiteren erhältst du mit dem Bachelor Professional in Bilanzbuchhaltung eine Hochschulzugangsberechtigung, falls du anschließend noch studieren möchtest.

Wie werde ich Bilanzbuchhalter*in?

Die Weiterbildung zur/zum Bilanzbuchhalter*in macht dich zum Spezialisten im Bereich des Rechnungswesens. Viele Steuerfachangestellte gehen diesen Weg, um die Zeit zur Steuerberaterprüfung zu verkürzen.

Früher konntest du die Prüfung nicht sofort nach deiner Ausbildung ablegen. Du musstest zunächst mindestens 3 Jahre als Steuerfachangestellte*r in der Praxis Erfahrungen sammeln. Diese Vorschrift gibt es seit 2020 nicht mehr. Du kannst theoretisch sofort nach der Ausbildung mit der Vorbereitung auf den Bilanzbuchhalter-Titel beginnen.

Mit einem abgeschlossenen wirtschaftswissenschaftlichen Studium beträgt die erforderliche Berufserfahrung 1 Jahr. Ebenso verhält es sich, wenn du vorher die Fortbildung zur/zum Steuerfachwirt/in absolviert hast. Auch 1 Jahr Berufserfahrung benötigst du als Betriebswirt/in oder Fachkauffrau/-mann.

Wenn du keine erforderliche Aus- oder Fortbildung absolviert hast, kannst du mit mindestens 5 Jahren Berufserfahrung dennoch zur Prüfung zugelassen werden.

Wichtig zu wissen ist, die praktische Erfahrung, die du während der Dauer eines Vorbereitungskurses sammelst, kannst du als benötigte Berufserfahrung anrechnen lassen!

Vorbereitungskurse sind sinnvoll

In den allermeisten Fällen ist es sinnvoll Vorbereitungslehrgänge zu absolvieren, da die Prüfung sehr anspruchsvoll ist. Es gibt verschiedene Anbieter und du solltest dich im Vorfeld gut darüber informieren, da die Lehrgänge eine höhere Investition bedeuten. Ein Lernumfang von 1.200 Stunden bis zur Prüfung gilt als angebracht. Hierbei wird aber nicht unterschieden oder vorgeschrieben, ob diese Stunden in der Praxis, im Unterricht oder beim Selbstlernen erbracht werden.

Die Fortbildung zur/zum Bilanzbuchhalter*in lässt sich in verschiedenen Lehrgangsformen absolvieren. Du kannst zwischen Vollzeit-, Teilzeit- oder Fernlehrgangsmodellen wählen. Für den Teilzeitkurs benötigst du 16 Monate. Dieser findet zumeist abends oder am Wochenende statt. Das heißt, du kannst den Teilzeitlehrgang berufsbegleitend absolvieren.

Die Teilnahme an einem Prüfungsvorbereitungskurs ist für die Zulassung zur Prüfung übrigens nicht zwingend vorgeschrieben, ist aber bei der fachgerechten Vorbereitung hilfreich.

Um die Vorbereitungskurse zu finanzieren, kannst du verschiedene Förderungsmöglichkeiten in Anspruch nehmen. Da wäre z.B. das Aufstiegs-Bafög, welches du beantragen kannst. Hierfür benötigst du einen Bescheid über die Zulassung zur IHK-Prüfung und darfst eine solche Förderung noch nicht erhalten haben.

Wie die Prüfung abläuft

Bei der Prüfung erwarten dich drei schriftliche Klausuren und ein mündlicher Teil. Die schriftlichen Prüfungen dauern 240 Minuten und haben jeweils einen anderen Handlungsbereich als Schwerpunkt.

Anders als früher werden bei den schriftlichen Prüfungen die drei Teile nicht mehr gleichgewichtig in einer Gesamtwertung zusammengefasst, sondern jede Klausur wird für sich einzeln bewertet. Zum Bestehen muss man also ab jetzt in jeder Prüfung mit mindestens 50 Punkten bestehen. Erst danach werden die drei Ergebnisse gleich gewichtet und die Punktzahl für den schriftlichen Teil ermittelt.

Die mündliche Prüfung dagegen wird als Einzelprüfung durchgeführt.  In der Präsentation, die nicht länger als 15 Minuten dauern soll, stellen die Prüfungsteilnehmer ihr selbst gewähltes Thema vor. Direkt im Anschluss daran findet ein Fachgespräch zu dem Thema statt, in dem nachgewiesen werden soll, dass Probleme aus der Praxis analysiert werden und Lösungsvorschläge gemacht werden können. Bei der Bewertung der mündlichen Prüfung wird das Fachgespräch gegenüber der Präsentation doppelt gewichtet.

Wo arbeiten Bilanzbuchhalter*innen?

Als geprüfte*r Bilanzbuchhalter*in nimmst du Schlüsselpositionen in Abteilungen des Finanz- und Rechnungswesens bei großen oder mittelständischen Unternehmen ein. Du kannst in verschiedene Bereiche gehen. Ob Handelsgewerbe, Dienstleistungsunternehmen, Interessenvertretungen oder Wirtschaftsprüfgesellschaften.

Hier trägst du große Verantwortung und darfst dir keine Fehler erlauben. Dafür bist du als eine solche Fachkraft auch heiß begehrt. Schließlich giltst du als Bachelor Professional in Bilanzbuchhaltung als Expert*in auf dem Gebiet der Auswertung und Interpretation von betriebswirtschaftlichen Kennzahlen.

Genau das macht dich auch für die Steuerberatung zu einer wichtigen Arbeitskraft. Viele Steuerberater*innen schätzen die betriebswirtschaftliche Expertise von Bilanzbuchhalter*innen und setzen sie in den folgenden Bereichen ein.

Welche Aufgaben haben Bilanzbuchhalter/innen?

Als Bachelor Professional in Bilanzbuchhaltung kannst du viele Aufgaben übernehmen. Dazu gehören u.a. folgende:

  • Sicherstellen der Organisation und Funktion des betrieblichen Finanz- und Rechnungswesens
  • Bilanzierung
  • Zwischen- und Jahresabschlüsse, Geschäftsberichte erstellen
  • Lagebericht nach nationalem Recht, Abschlüsse nach internationalen Standards erstellen
  • Finanzwirtschaftliche Vorgänge und unternehmensrelevante Aufgaben unter Beachtung volkswirtschaftlicher Zusammenhänge planen und abwickeln
  • Durchführen periodischer Erfolgsrechnungen
  • Inventur
  • Kostenträgerrechnung

Außerdem bist du als Bilanzbuchhalter*in IHK auch Gesprächspartner von der Geschäftsleitung, Kollegen, Kunden, Lieferanten, Steuerberatern und dem Finanzamt.

Die verschiedenen Tätigkeiten werden je nach Unternehmen mehr oder weniger stark ausgeprägt und gefragt sein. Deutlich zu erkennen ist, dass die Aufgaben und Verantwortung doch um einiges über denen des Steuerfachangestellten liegen.

Der nächste Artikel behandelt die Königsdisziplin im Steuerwesen – na, was wird das wohl sein? Genau, der bzw. die Steuerberater*in!

(Stand: 05.08.2021)


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