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Probleme in der Kanzlei

Probleme in der Kanzlei

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (kurz DGB) hat einen Ausbildungsreport veröffentlicht, aus dem hervorgeht, dass sich in Deutschland jede/r zweite Auszubildende ungerecht behandelt fühlt. Jede vierte Ausbildung wird hierzulande abgebrochen. Gravierende Zahlen! Alarmierend vor allem, wenn man bedenkt, dass in Deutschland Fachkräftemangel herrscht. Enttäuschend angesichts der Tatsache, dass sich in vielen dieser Situationen sicherlich andere konstruktivere Lösungsansätze bestanden hätten, die auch auf deinem Lebenslauf besser aussehen.

Grundsätzlich gibt es zwei Hauptursachen für Unzufriedenheit mit der Ausbildung. Erstens, Unzufriedenheit, Langeweile oder Überforderung bei den täglichen Aufgaben und Tätigkeiten. Zweitens, Konflikte und Probleme mit Vorgesetzen, bei denen nicht selten auch einfach die persönliche Chemie eine Rolle spielt. Beide Gründe sind nachvollziehbar, müssen mit der richtigen Strategie aber noch lange kein Grund dafür sein, deine Ausbildung abzubrechen.

Wir möchten dir nachfolgend ein paar Tipps an die Hand geben, die dir helfen sollen, persönliche und andauernde Unzufriedenheit gar nicht erst aufkommen zu lassen:

Informiere dich im Vorfeld:

Die Ausbildung zum/r Steuerfachangestellten ist fachlich herausfordernd und persönlich anspruchsvoll, das ist allgemein bekannt. Wie der Alltag in Steuerkanzleien aussieht, welche Aufgaben regelmäßig erledigt werden und welche Unterschiede zwischen einzelnen Kanzleien bestehen – sei es durch Größe, Spezialisierung oder Mitarbeiter – erzählt dir keiner vorher. Insbesondere im Rahmen von Schülerpraktika und Ferienjobs kannst du hier individuelle Einblicke selbst erleben und dir damit vor Abschluss eines Ausbildungsvertrages ein Bild vom Tätigkeitsprofil und vom Kanzleialltag machen.

Aller Anfang ist Routine

Nicht alle Tätigkeiten in der Kanzlei machen Spaß. Gerade am Anfang deiner Ausbildung, wenn du noch nicht voll einsetzbar bist und den Betrieb mehr Geld kostest, als Du einbringst, sind deine Aufgaben oft eintöniger. Das ist ganz normal und gehört zu jeder Ausbildung dazu. Wichtig ist am Ende, dass nicht nur die Balance aus Standardtätigkeiten, administrativen Aufgaben sowie heraufordernden und motivierenden Tätigkeiten besser wird, sondern auch, dass die langfristige Perspektive stimmt. Halte Dir daher immer vor Augen: Du wächst mit deinen Aufgaben. Je länger du dabei bist, desto spannender wird die Arbeit.

Dauerhaft will kein Teamsprit aufkommen

Wenn du das Gefühl hast, dein Ausbilder oder deine Ausbilderin kümmert sich nicht um dich und es menschlich insgesamt einfach nicht zu passen scheint, dann müssen die Probleme schnellstmöglich aus der Welt geschafft werden, damit du deine Zeit nicht nur mit Groll verbringst und Spaß an der Ausbildung hast. Du hast Rechte und auf diese kannst du dich natürlich berufen.

In beiden Fällen – bei Unzufriedenheit mit Tätigkeiten und Probleme mit Kollegen – empfehlen wir Dir, dies proaktiv anzusprechen. Nur wer redet, dem kann geholfen werden. Friss nicht alles in dich rein und rede im ersten Schritt mit Vertrauten aus deinem Freundes- oder Familienkreis. Oft bekommst du hier schon gute Tipps, wie du besser mit der Situation umgehen oder noch besser diese zu deinen Gunsten ändern kannst. Im zweiten Schritt solltest du deine Unzufriedenheit auch kanzleiintern ansprechen – bei deinem Ausbilder/ bei deiner Ausbilderin, einer vertrauten Kolleg*in oder vielleicht sogar direkt bei der Kanzleileitung.

Niemand nimmt es dir übel, wenn du ganz ehrlich über deine Gefühle berichtest und deine Bedenken ansprichst. Auch, wenn du dir das gar nicht vorstellen kannst. Mut wird von deinem Gegenüber häufiger belohnt, als abgewehrt. Außerdem zeigst du dich damit selbstbewusst und bereit, Probleme anzugehen, anstatt einfach aufzugeben.

Hier noch ein paar Tipps für solche Feedback-Gespräche, damit du deinem Ärger konstruktiv Luft machen kannst, ohne dein Gegenüber vor den Kopf zu stoßen.

  • Bereite das Gespräch gut vor
    Schreibe Dir all die Dinge, die dich stören, auf, damit du im entscheidenden Moment nichts vergisst
  • Sei konstruktiv und ehrlich
    Wir empfehlen dir für Feedback die „3W-Regel“ – Wahrnehmung, Wirkung, Wunsch, die ganz bewusst mit Ich-Botschaften arbeitet, z.B.
    „Ich habe wahrgenommen, dass ich, obwohl ich schon 4 Monate in der Kanzlei bin, immer noch nur fürs Kaffeekochen eingesetzt werde. Dadurch fühle ich mich nicht wertgeschätzt und unterfordert. Ich habe Angst, in der Berufsschule nicht mitzukommen, weil mir hier die praktische Fundierung nicht beigebracht wird. Ich wünsche mir, entsprechend meines Ausbildungsplans erste buchhalterische Tätigkeiten zu übernehmen.“
  • Mache konkrete Lösungsvorschläge
    Toll ist es, wenn du deinem Wunsch noch durch Ideen zur Umsetzung stärker Nachdruck verleihen kannst, z.B.
    „Ich habe bereits mit Kollegin Mustermann gesprochen. Sie würde sich die Zeit nehmen, mir eine erste Übersicht zu Mandant Musterfrau zu geben und mir zu zeigen, wie ich deren Rechnungen richtig ablege. Wäre das für Sie in Ordnung?“

Wenn ein Gespräch nicht hilft oder du aber doch zu viel Angst vor der Konfrontation hast, kannst du auch versuchen, einen deiner Lehrer/innen aus der Schule mit einzubeziehen. In besonders schwer gelagerten Fällen kannst du auch die Steuerberaterkammer um Rat fragen und um Vermittlung zwischen den Parteien zu bitten. Unabhängig davon, mit wem man sich austauscht – es sollte in erster Linie darum gehen, Lösungen zu finden, bevor man seine eigene Ausbildung in Gefahr bringt.

Wenn alle Stricke reißen und du trotz mehrmaligen Versuchen, die Probleme anzusprechen und anzugehen, keine Veränderung bemerkst, bleibt alternativ noch die Möglichkeit, deinen Ausbildungsplatz und die Kanzlei zu wechseln. Hier bietet ETL aufgrund ihrer Größe und den vielen Niederlassungen den Vorteil, dass du ganz einfach in der Gruppe zu einer anderen Kanzlei wechseln kannst. Dies ist jedoch sicherlich die allerletzte Möglichkeit, vorher solltest du auch mit Blick auf deinen Lebenslauf wirklich alle anderen Optionen angegangen sein. Schließlich heißt es nicht um sonst „Love it, change it – und erst dann – leave it!“ – am besten mit dem Zeugnis für eine abgeschlossene Ausbildung.

(Stand: 18.10.2021)


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