Steuerheld werden - ETL Azubi Blog


#2 Steuerhelden*innen im Kampf gegen die Schurken des Alltags: Azubi-Erfahrungen eines Kanzleileiters

#2 Steuerhelden*innen im Kampf gegen die Schurken des Alltags: Azubi-Erfahrungen eines Kanzleileiters

Liebe Steuerinteressierte,

das neue Lehrjahr steht bevor und auch in diesem Jahr konnten in vielen Kanzleien wieder junge Menschen vom Steuerrecht begeistert werden.

Nachdem ich im letzten Beitrag die ersten kleinen Heldengeschichten aus dem Alltag eines Azubis erzählt habe, geht es nun ans Eingemachte. Nämlich um die Frage, ob eine Heldin oder ein Held nicht einen Gegner, einen Antagonisten, braucht? Und falls ein Steuerheld einen Gegner hat, wer das ist?

Um der Geschichte den notwendigen Rahmen zu geben, muss ich euch Leser ein wenig in meine Gedanken- und Phantasiewelt entführen. Als Jugendlicher bin ich oft schon früh um 6 Uhr aufgestanden, um mir Spiderman-Trickfilme anzusehen. Und in jeder Folge traf immer irgendein Bösewicht auf den Helden. Das muss wohl so sein!?

Es folgt ein Zeitsprung: Ich bin nun 33 Jahre und Steuerberater, sitze an meinem Schreibtisch zuhause. In diesem Moment kommt mein kleiner Sohn zu mir und fragt: „Papa was machst du eigentlich auf Arbeit? Mama ist eine Heldin. Sie hilft im Krankenhaus Menschen.“

Wow, dachte ich. Wie soll ich da mithalten können?

Aber dann erinnerte ich mich an meine Jungend und an die Superhelden von damals. Mit einem Lächeln im Gesicht antwortete ich, dass auch ich einen sehr gefährlichen Beruf habe und als Held täglich gegen viele Gegner kämpfen müsse. Verständlicherweise sah mein Sohn mich daraufhin komisch an und fragte skeptisch, welche „Bösewichte“ mir denn so tagtäglich über den Weg laufen würden. Und so fing ich an, ihm mit einem Augenzwinkern eine Reihe von Gegnern aufzuzählen.

Das scharfe Papier und Der Ordner

Zuerst nahm ich ein Blatt Papier in die Hand und sagte meinem Sohn: „Wenn man nicht aufpasst, kann man sich daran schneiden und furchtbar verletzen.“

Und damit nicht genug! „Wem ist nicht schon einmal beim Archiv aufräumen ein Ordner auf den Fuß gefallen.?“ Das seien Schmerzen, die nur ein Held aushalten könne, teilte ich ihm mit gespieltem Ernst mit. „Zwar konnten diese Bösewichte durch die Digitalisierung ein wenig in die Schranken gewiesen werden, schließlich kann ein elektronischer Ordner niemandem auf dem Fuß fallen. Doch auch die Digitalisierung müsse ja jemand umsetzen“, sagte ich schmunzelnd.

Der Schreibtisch

„Dieser gefährliche Bösewicht hat vier spitze Ecken und ist dafür gemacht, sich in einem Moment der Unachtsamkeit ordentlich daran zu stoßen“, setzte ich die Aufzählung meiner Antagonisten fort. „Ich kann mich nur zu gut daran erinnern, in den letzten 33 Jahren nicht nur einen blauen Fleck davongetragen zu haben. Zugegeben, mittlerweile nehmen die höhenverstellbaren oder abgerundeten Tische diesem gemeinen Gegner den Schrecken.“

Der Kaffee ist alle

Da mein Sohn noch immer nicht recht überzeugt zu sein schien, redete ich weiter: „Einer der gefürchtetsten Gegner in jedem Büro ist der Kollege, der immer den letzten Kaffee trinkt, ohne einen neuen anzusetzen. Wobei – durch Automaten konnte man diesen Gegner in den Griff kriegen. Aber die Filterkaffeetrinker wissen was ich meine“.

Das Telefon

Wer kennt es nicht, gerade hat man sich in einen Fall oder eine Steuererklärung hineingedacht, schon klingelt das Telefon. Mal ist es ein Mandant, der Fragen stellt, mal ein Kollege, ein anderes Mal ist es das Finanzamt, und manchmal ist es auch der Chef. „Wer immer am anderen Ende des Hörers sitzt, das Telefon verbreitet Angst und Schrecken im Büro“, erklärte ich meinem Sohn und versuchte dabei, einen ernsten Gesichtsausdruck zu bewahren. „Dieser Gegner ist besonders heimtückisch. Er frisst klammheimlich unsere Zeit und am Ende des Tages, wenn von uns fleißig die Zeiterfassung ausgefüllt wurde, fragt man sich, was habe ich denn heut eigentlich gemacht?“

Der eine besondere Bearbeiter im Finanzamt

Den nun folgenden Bösewicht kenne wirklich jeder, erklärte ich meinem Sohn. Wir geben uns alle Mühe beim Buchen, bei der Steuererklärung oder bei einem Einspruch, aber der Bearbeiter im Finanzamt folgt unserer Meinung einfach nicht. Kein Kraut sei gegen den „Schurken“ gewachsen, und wenn wir noch so gut schreiben und recherchieren, klagte ich meinen Kummer. „Wirklich?“, fragte mein Sohn erstaunt und brachte damit meine ernste Fassade zum Einsturz. „Naja, vielleicht macht man ja auch selber Fehler, aber man nimmt es sich doch ab und zu Herzen, wenn die andere Seite einen einfach nicht verstehen will. Durch die vorausgefüllte Steuererklärung und die Digitalisierung kann zwar auch hier ein wenig vom Schrecken genommen werden, aber den Gegner werden wir natürlich nicht los. Oder, vielleicht doch“, schränkte ich ein „indem wir einfach selbst offen für die Kommunikation mit dem Finanzamt sind, denn hier kann durch gemeinsames Bereden eines Falles oft auch Einigung erzielt werden.“

Nachdem die Aufzählung meiner „Superschurken“ beendet war, schaute mich mein Sohn komisch an und begann zu lachen. Und auch ich konnte nicht mehr an mich halten, angesichts meiner Geschichte. Natürlich kamen weder meine „Bösewichte“ noch die „Heldentaten“ gegen das an, was meine Frau im Krankenhaus tagtäglich leisten musste. Aber ich merkte, dass mit ein wenig Phantasie jeder Arbeitsalltag durchaus zu einem heldenhaften Erlebnis werden kann.

In diesem Sinne wünsche ich euch allen und besonders den Held*innen im neuen Lehrjahr ein paar heldenhafte Tage.

Marko Fischer
Steuerberater

(Stand: 04.06.2021)


Weitere interessante Meldungen für Azubis

Alle Artikel ansehen

News direkt in Deine Inbox?

Jetzt unseren Newsletter abonnieren

Wir verwenden Cookies

Entscheiden Sie selbst, ob diese Website neben funktionell zum Betrieb der Website erforderlichen Cookies auch Betreiber-Cookies sowie Cookies für Tracking und Targeting verwenden darf. Weitere Details finden Sie in der Datenschutzerklärung.

Einstellungen individuell anpassen Einstellungen jetzt speichern Alle Cookies zulassen und speichern
x